Daniel Schröckert und meine Wenigkeit hatten die Möglichkeit, eine weit fortgeschrittene Version von “Risen 3: Titan Lords” auf dem PC anzuspielen. Das Spiel erscheint übrigens hierzulande am 14. August. Im folgenden Video seht ihr neue Spielszenen des RPGs und wir ringen uns trotz Bullenhitze zu einem spontanen Fazit durch:

Preview

Nachdem ich mich etwas gesammelt habe, hol ich doch noch etwas weiter aus. Eines vorweg: Ich bin Gothic-Fan der ersten Stunde, habe auch “Gothic 3” gemocht, nachdem die Community das Spiel zu Ende entwickelt hatte und fand Risen 1 ganz nett. “Risen 2: Dark Waters” habe ich nach kurzer Spieldauer ausgelassen, da mich das vereinfachte Kampfsystem, der storytechnisch aufgesetzt wirkende Sprung ins Piratensetting und der eher lineare Spielverlauf mit einzelnen Inseln abgeschreckt haben. Bevor ich jetzt mit dem Ersteindruck anfange, mache ich daher mal eine Liste meiner total subjektiven Vorurteile, mit denen ich in die Session hineingegangen bin:

Was die Piranha Bytes-Spiele immer haben:

- Eine handgemachte und abwechslungsreiche Landschaft mit hohem Wiedererkennungswert
- Skurille Charaktere und typisch “ruppige” Dialoge.
- Viele Erkundungsmöglichkeiten in der Welt und nicht mitlevelnde Gegner, die mir “volles Pfund aufs Maul hauen” wenn ich zu früh hinter den falschen Busch linse.
- Gut versteckte Items und die Möglichkeit auf ungewöhnlichen Wegen zum Ziel zu kommen.
- Quests, die gut in die Interaktionen zwischen den Fraktionen integriert sind und meistens etwas origineller sind als bei vielen Konkurrenztiteln.

Was die Piranha Bytes-Spiele noch nie hatten:

- Eine Hauptstory mit vielen Wendungen, einem dramaturgisch guten roten Faden und originellen Ideen. Ohne die klassische “Die Welt wird von einer uralten Macht bedroht”-Komponente.
- Ein sehr gutes, weil anspruchsvolles und zugleich intuitives Kampfsystem. Es gab immer gute Ansätze und bisher haben mir “Gothic 2” und “Risen 1” in dieser Hinsicht am besten gefallen. Aber die perfekte Balance wurde aus meiner Sicht noch immer nicht erreicht. Ich bin übrigens großer Fan von “Dark Souls”, “Severance-Blade of Darkness” und “Jedi Knight 2”.
- Gute Animationen. Ganz allgemein, aber insbesondere für die Gesichter. In PB – Spielen sind die Charaktere eine der größten Stärken. Das könnte man durch glaubwürdigere Gesichter noch besser unterstreichen.

Was Gothic 1 noch hatte, alle weiteren Piranha Bytes-Spiele jedoch nicht:

- eine besondere Optik, die sich von anderen Fantasy RPGs von der Stange unterscheidet. Beispielsweise über Farbgebung, Umgebungsdesign und Rüstungen. In “Gothic 1” waren es die erdigen Farben und der dreckige Look sowie der bedrohliche magische Schirm, unter dem man eingesperrt war.
- eine originelle Idee als Ausgangsbasis. In “Gothic 1” war es das Gefängnissetting, das zwar ein wenig vom Film “Die Klapperschlange” abgeguckt war, aber etwas ganz Besonderes aus dem Spiel gemacht hat.
- Ein eher realistischer Mittelalteransatz ohne zu viel Zauberfirlefanz, Dämonen und Götter. Die gabs in “Gothic 1” zwar auch, standen jedoch durch den Gefängnisbackground weniger im Vordergrund. Der Zuspruch zu Spielen wie beispielsweise “Kingdom Come: Deliverance” zeigt, dass ein solcher Ansatz bei vielen gut ankommt.

Da man “Risen 3” in einer Stunde Spielzeit natürlich nicht ansatzweise bewerten kann, beschränke ich mich auf einige ausgewählte Punkte. Wir waren auf der Insel der Dämonenjäger unterwegs. Selbige sind sind eine der drei Fraktionen von “Risen 3”. Daneben gibt es noch die “Wächter”, die man mit der Bezeichnung “militante Magier” beschreiben kann und die aus “Risen 2” bekannten Voodoo-Zauberer… quasi die Naturtalente unter den Zauberern.

Dialoge und Story

Ich konnte mit mehreren NPCs sprechen und die sind mal wieder allesamt raubeinige Phrasendrescher. Typisch Piranha Bytes und vielleicht in “Risen 3” noch konsequenter ausgebaut. Selbst die Frau mit der ich gesprochen habe hat einen auf Dirty Harry gemacht und Freunde von Skyrim und Co werden möglicherweise von der “Alltagssprache” abgeschreckt. Aber: Ich mags. Ohne diesen Aspekt wäre noch ein Alleinstellungsmerkmal der PB-Spiele verschwunden. Sie sollten es nur nicht übertreiben.

Die Story des Spiels hat mich allerdings in der kurzen Anspielzeit bereits genervt: Wieder mal (oder immernoch) uralte und mächtige Titanenlords und dunkle Kreaturen, die auftauchen und die Welt ins Dunkel treiben. Dazu ein Held, dem seine Seele abhanden gekommen ist. Hier wird leider so frech mit ollen Fantasyklischees jongliert, dass einem schwindelig wird. Ich kann die Story noch nicht in ihrer Gänze bewerten. Aber der Ersteindruck war irgendwie etwas fad.

Das Kampfsystem

Die Möglichkeit, Tierattacken zu blocken ist in jedem Fall ein großer Sprung nach vorne. Beim Vorgänger waren das noch dümmliche Klickorgien. Drückt man den Block im richtigen Moment, gibts eine besonders schmerzhafte Konterschelle für den Gegner. Allerdings war beim Anspielen das dafür nötige Timing etwas zu einfach. Das sollte im Kampf nicht zur Routine werden. Eine Ausweichrolle ist auch mit drin, wodurch man den besonders heftigen Hieben der Gegner entgehen kann. Noch dazu kann man selber starke Hiebe austeilen, um den gegnerischen Block zu durchbrechen. Außerdem gilt wieder: Gut getimtes Mehrfach-Klicken löst Komboattacken aus, die mehr Schaden anrichten. Als Dämonenjäger konnte ich im Kampf mehrere böse Kreaturen herbeirufen oder meine Hechtrolle zum blitzschnellen Beamvorgang ausbauen. Sah schick aus und fühlte sich passend zur Fraktion an.

Die Kämpfe fielen insgesamt sehr leicht aus und die Gegner fielen in Scharen. Was jedoch laut den “Deep Silver”-Vertretern daran lag, dass mein Charakter ziemlich weit hochgelevelt war. Die grundsätzliche Mechanik ist jedoch sehr gelungen: Die Steuerung ging locker von der Hand und eine intuitive und leicht zugängliche Steuerung ist ja erstmal nicht verkehrt. “Easy to learn, difficult to master” im besten Fall. Worauf dann jedoch umso mehr ankommt: Die menschlichen Gegner und ihr Verhalten. Wenn sie ebenfalls Blocken, Ausweichen und auf unsere Deckung reagieren, könnte es richtig gut werden. Während meiner Anspielsession waren Skelette leider die einzigen Gegner mit etwas mehr Grips. Daher waren taktische Kniffe kaum nötig. Man kann nur hoffen, dass sich in der Welt auch gute menschliche Kämpfer und schlauere Monster verstecken, so dass die taktischen Möglichkeiten nicht nur überflüssiges Beiwerk sind.

Grafik/Atmosphäre

Sehr positiv überrascht war ich vom Look des Spiels. Zwar ist es die gleiche Engine wie im Vorgänger, doch diese wurde sehr sinnvoll verbessert. Jeder Hügel, jeder Baum und jede Burg ist wie immer von Hand gezimmert und das ist PB-typisch der größte Pluspunkt der Grafik. Dazu eine eher düster zerklüftete Fels und Wiesenlandschaft. Viel näher an Gothic und weiter weg vom Karibikflair des Vorgängers. Wobei auch Inseln dabei seien werden, die an den Look des Vorgängers erinnern.
Insbesondere die Figuren haben nen großen Sprung gemacht. Die Rüstungen sind sehr schön detailliert und die Gesichter wirken feiner und lebensechter als in den Vorgängern. Großes Lob an dieser Stelle! Sogar die Frauen, die in “Risen 1” nach Augsburger Puppenkiste aussahen und ihre Dreiecks-Brüste wie Dolche vor sich hertrugen, sehen jetzt viel lebensechter aus. Zumindest bis sie den Mund aufmachen, denn leider sind die Gesichtsanimationen noch immer ziemlich gestrig. Die Kampfanimationen sind dagegen schön wuchtig und geschmeidig, inklusive der (überraschend brutalen) Finish Moves. Wir sind gespannt, wie das am Ende auf PS3 und Xbox 360 aussieht. “Risen 2” hatte sich ja diesbezüglich keine Freunde gemacht.

Die Welt

Ich war zwar lediglich auf der Insel der Dämonenjäger unterwegs, konnte den anwesenden Vertretern von Publisher “Deep Silver” jedoch einige interessante Details entlocken:

- Man kann sehr früh im Spiel sämtliche Inseln besuchen. Trotzdem leveln die Gegner nicht mit. Betreten auf eigene Gefahr!
- Es gibt angeblich zahlreiche Gründe, auch auf bereits besuchte Inseln zurückzukehren. Dadurch wird das Spiel wieder deutlich offener und man grast nicht eine Insel nach der anderen ab.
- Die Inseln sollen sehr abwechslungsreich ausfallen und es wird auch Festlandabschnitte geben.

Fazit

Der kurze Eindruck, den ich von “Risen 3: Titan Lords” gewonnen habe, fällt zweischneidig aus. Wieder versprechen die Entwickler, dass man sich auf die Wurzeln zurückbesonnen hat. Zumindest anhand der Punkte, die ich in der kürze der Zeit bewerten konnte, kann ich das bestätigen. “Risen 3” pendelt athmosphäretechnisch irgendwo zwischen “Risen 2” und “Gothic 2”. Die aus meiner Sicht grundlegenden Schwächen (siehe Aufzählung oben) werden wohl nur zum Teil angegegangen. Eher werden vorhandene Stärken kopiert, ausgebaut und aufgrund von Community-Feedback wieder zurückgeholt. Evolution statt Revolution. Etwas mehr Mut würde den Piranhas jedoch gut zu Gesicht stehen. Andere Spiele wie “Dark Souls” oder “Divinity: Original Sin” machens vor: Gerade wenn es sich um kleinere Entwicklerstudios handelt, scheint der Hardcore-Weg gut anzukommen. Ich hoffe jedenfalls, dass sich “Risen 3: Titan Lords” im weiteren Spielverlauf mehr traut, indem es den Spieler fordert und die klischeebeladene Story ein paar überraschende Haken schlägt. Die Vorfreude ist definitiv geschürt.