Achtung, folgender Text ist möglichst spoilerfrei geschrieben, damit jeder von euch aktiv an einer “Sind Spieledesigner den Spielern ein Ende schuldig, welches sich die Spieler vorstellen?”-Diskussion teilnehmen kann.

Rund 100 Stunden Spaß werden aktuell von knapp 25 Minuten Enttäuschung überschwemmt. Die Rede ist, ihr ahnt es schon, von Mass Effect 3. Wenn man einem Großteil der ‘Mass Effect’-Serien-Fans glauben schenkt, dann handelt es sich bei “Mass Effect 3” um: “ein wundervolles Spiel mit großartigen und aufregenden Momenten, welches sich besser als ‘Mass Effect 2’ und ‘Mass Effect’ anfühlt, aber mit einem wirklich ernüchternden Ende daher kommt.” – Da fallen, sogar in unserem Forum, große Aufregerthemen wie Origin und DLC-am-Erstverkaufstag unter den Mecker-Tisch.

Auf Amazon und Metacritic überschlagen sich die niedrigen Wertungen von Fans, die mit dem Ende von “Mass Effect 3” allesamt unzufrieden sind. Wieso? Hauptkritikpunkt der meisten Spieler ist die Tatsache, dass die Entscheidungen aus den Teilen zuvor nicht wirklich in das Ende von “Mass Effect 3” einfließen – und genau für diesen “Deine Entscheidungen beeinflussen das restliche Spiel”-Verlauf wurde Entwickler Bioware über Jahre hinweg gelobt.

Am Ende von dritten Teil steht aber weder eine lange Diskussion, noch ein epischer Dialog oder gar eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Sein oder Nichtsein bevor – es gibt eine Videosequenzen, eine kleine Entscheidung des Spielers und der Rest ist ein selbst ablaufendes Filmchen. Zu wenig, denkt die “Mass Effect 3”-Masse. Egal wie das Spiel beendet wird, es sei generell zu pessimistisch. Die Spieler hätten sich mehr Optimismus gewünscht oder ein Ende, welches auf die vorher getroffenen Entscheidungen des Spielers eingeht.

Welches Ausmaß die Unzufriedenheit mit dem Ende von “Mass Effect 3” angenommen hat, erkennt man anhand reiner Zahlen.

- 91% der rund 60.000 Leute, die auf der offiziellen Bioware-Webseite über das Ende von “Mass Effect 3” und ihre damit verbundene Zufriedenheit abstimmten, halten das Ende für unzureichend. (Quelle)

- Von 172 Rezensionen auf Amazon bekam das Spiel knapp über 60 1-Stern-Bewertungen. (Quelle)

- Fast 1400 von 2200 User-Reviews auf metacritic.com bewerten das Spiel als “negativ”. Fast jeder bemängelt lediglich das Ende. (Quelle)

Mass Effect 3

Beschreibung:

Ist es vielleicht ähnlich wie bei “Lost”? Der Weg ist das Ziel? Blendet man das extrem simple und für die Autoren einfachste aller Enden bei “Lost” aus, dann kann man auf stundenlange Unterhaltung zurückblicken. Unterhaltung, die im besten Fall sogar so weit ging, dass man selbst nach Hinweisen zur Hintergrundgeschichte suchte.

In meinen Augen ist eines der großen Probleme der Endsequenz von “Mass Effect 3”, dass sie viele philosophische Fragen nicht beantwortet. Wann ist der Mensch überhaupt ein Mensch? Was ist der freie Wille und inwiefern sollte man ihn schützen? Und das sind nur zwei von vielen Fragen, die ein Ende von “Mass Effect 3” hätte aufgreifen können, vielleicht sogar aufgreifen müssen, um nicht in Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Ist es Biowares Pflicht, vielleicht sogar Bringschuld, dass jeder Spieler ein auf seine Entscheidungen eingehendes und damit auch einzigartiges Ende bekommt? Oder darf, kann und sollte Bioware das von vielen verhasste Kollektivende nutzen und sagen, dass die Entscheidungen die der Spieler traf ja irgendwann, irgendwo im “Mass Effect”-Universum bereits eine Auswirkung hatte – das Ende aber über all diesen Auswirkungen steht und dem Spiel einen Stempel aufdrückt.

Was glaubt ihr? Stehen Entwickler in Schuld bei den Spielern? Lassen sich Filmemacher oder Musiker so häufig im Entwicklungsprozess auf die Finger schauen, wie es Spielentwickler tun? Können Spiele bei so einem geforderten Einschnitt wie dem Schreiben und Entwickeln eines Trilogie-Endes überhaupt Kunst sein, so wie es von vielen Menschen gefordert wird?

Und was sagen Simon und Nils zum Ende, wenn sie es bei ‘Knallhart durchgenommen: Mass Effect 3’ irgendwann erreichen?