Nachdem wir in den vergangenen Wochen unzählige Leute aus der Gamesbranche nach ihrem Werdegang und ihren Gedanken zum Thema “Wie wird man Spieleredakteur?” befragt haben, gibt es nun die Antworten direkt aus der GameOne-Redaktion. Frisch gepresst und digital bearbeitet.

Klickt einfach auf das Foto eines Interviewpartners und Ihr seht die jeweiligen Antworten zum Thema “Wie wird man Spieleredakteur?”. Natürlich könnt Ihr auch Seite für Seite durchblättern, um den vollen Einblick zu erhalten. Lesebrillen auf, und ab die Post! Auf unserer Übersichtsseite zur Interview-Reihe gibt es alle Interviews.

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Solltet Ihr nach dem Lesen der Interviews noch immer das Verlangen haben Spieleredakteur zu werden, dann wünschen wir Euch selbstverständlich viel Erfolg.

Name:
Gregor Kartsios

Ehemalige Position(en) in Spieleredaktionen:
Freier Autor für Game Master, Game Pro. Redakteur bei MTV GameOne.

Wie bist du in die Branche gekommen?
Über ein Praktikum bei GameOne. Ich wollte eigentlich schon immer mal für eine Videogame-Zeitschrift schreiben, aufgrund von Zeit- und Geld-Gründen hat das aber nie so recht geklappt – hier in Hamburg sind Spiele-Redaktionen rar gesät. Dann folgte im Sommer 2006 Simons Aufruf im allseits beliebten Maniac-Forum, dass Leute für eine neue Show bei MTV gesucht werden. Ich habe mich auf gut Glück beworben und wurde sogar zum Vorstellungsgespräch eingeladen, welches meines Erachtens ziemlich positiv verlaufen ist. So positiv war es dann doch nicht, denn schon bald flatterte die Absage rein. Knapp zwei Monate später habe ich es nochmal probiert und war dann doch als Praktikant ab so ca. Folge 9 dabei. Seitdem bin ich fest im Griff des Fernseh-Molochs. :)

Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Talent zum “erfolgreichen” Zocken finde ich weitaus weniger wichtig als die Fähigkeit, seine Gedankengänge klar und deutlich vermitteln zu können. Wenn man z.B. ständig in einem Multiplayer-Game verliert, sollte die eigene Selbsteinschätzung so ehrlich sein, dass man auch die richtigen Gründe dafür ermittelt. Liegt es am Lag? Ist das Matchmaking für Einsteiger ungeeignet? Oder reichen die eigenen Skills nicht? Diese Erfahrungswerte zeichnen dann ein eigenes Bild von dem zu testenden Spiel, und die Kunst ist es dann alles so vermitteln zu können, dass es nachvollziehbar für das Publikum bleibt. Speziell im TV-Sinne kommen noch etliche Faktoren dazu, die es im Print- und Online-Bereich so nicht gibt. Was genau will ich über ein Spiel überhaupt aussagen? In welchem Kontext passiert das? Was ist der Kern des Spieles und auch des Beitrages? Die Antwort auf welche Frage ist am Wichtigsten? Man “schleift” den Beitrag anhand langer Gedankengänge vorab, setzt dann noch etliche Maßstäbe was Struktur und Unterhaltungsfaktor obendrauf und entwickelt so die vier bis fünf Minuten Fernsehen, die auch ideal zum jeweiligen Spiel passen. Wer sowas kann ist in einer Redaktion wesentlich besser aufgehoben, als der, der im Schlaf “StarCraft 2” durchspielt. Der Enthusiasmus über das Berichten von Spielen sollte fast schon größer sein, als der Enthusiasmus über das Spielen selbst. Ich habe auf meiner Homepage gregs-rpgheaven.de seit über 12 Jahren hobby-mäßig über Spiele geschrieben, was meinen Fähigkeiten so enorm weitergeholfen hat, dass ich heutzutage Geld damit verdienen kann. Ohne Eigenintiative und Motivation kommt nicht viel rum – es gibt sonst immer einen, der “es” mehr will als du.

Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Ein Journalismus-Studium oder Medientechnik wäre sicher nicht verkehrt, aber unbedingt nötig ist es momentan nicht. Ich mache zwar Fernsehen und schreibe Artikel, würde mich aber nicht als Journalisten bezeichnen. Man lernt im Job schnell Skills dazu was richtige journalistische Arbeit angeht wie vernünftige Recherche o.ä., aber im Grunde sind fast alle Leute in der Branche Fans, die eine halbwegs lesbare Schreibe haben. Sowas “reicht” noch locker um mit dabei zu sein, aber vielleicht geht in der Zukunft die Games-Berichterstattung wirklich mal in Richtung des Journalismus – ich würde es begrüßen.

Wie hat sich die Branche seit deinem Einstieg verändert?
So lange bin ich jetzt nicht dabei, knapp dreieinhalb Jahre erst, deshalb würde ich sagen die Trends die seitdem im Gange sind gehen unvermindert weiter. Print stirbt weiterhin und die Online-Berichterstattung dreht sich im Kreis, während die Spielebranche selbst enorm expandiert und bald auf traditionelle Gamer-Outlets nicht mehr angewiesen ist, wenn da nicht bald was passiert.

Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Wie schon im Absatz vorher erwähnt müssen Print- und auch Online endlich mal den Kopf aus ihrem eigenen Hintern ziehen, damit sie merken wie weit der Zug schon längst abgefahren ist. Print stirbt nicht nur weil die Leute ins Netz abwandern, sondern weil der Großteil aller Outlets sich seit den guten, alten Tagen der PowerPlay nicht weiterentwickelt hat. Ich brauche keine Selbstdarsteller, die in ewig gleichen Texten Objektivität heucheln und dann eine beliebige Zahl drunter setzen. Die meisten Online-Portale sind eine Erweiterung dieser Denkweise, nur ohne Limits was die Textmenge und teilweise haarsträubend-arroganter Einstellung was die “Wichtigkeit” der eigenen Meinung angeht. Was ich faszinierend an dem GameOne-Konzept finde und während meiner TV-Zeit dort auch immer beherzigt habe, ist die Tatsache dass es auf eine breite Masse zugeschnitten ist, ohne seine Individualität und Kompetenz zu verlieren. Wir machen dort Infotainment, zu gleichen Teilen Information als auch Unterhaltung, und die Kunst ist es beide Bereiche so zu verschmelzen dass beides gegeben ist. Ich will GameOne jetzt nicht als “Non Plus Ultra” der Gamesberichterstattung darstellen, das ist es natürlich nicht, aber der Grund unseres Erfolges ist, dass wir uns getraut haben aus dem üblichen Schema auszubrechen und mal was Anderes zu versuchen. Ich hoffe ehrlich, dass mehr Leute die Eier haben was komplett Neues zu machen, damit viel mehr Menschen abholen und sich nicht mehr ausschließlich an den inzestuösen Kern der Super-Ultra-Hardcore-Gamer richten – wir machen das schließlich nicht nur für uns selbst, Leute. :)

Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
Klar, auch wenn ich privat andere Spiele zocke als die zur Arbeit. Manchmal wird dir eben ein “Virtual Skipper” oder “Silent Hunter” vorgesetzt, welches dir physische Schmerzen zufügt, aber es muss eben gemacht werden. Besser das, als zehn Stunden am Tag am Fließband zu stehen, sage ich immer. Wenn ich nicht für die Arbeit spielen muss, macht mir jedes Spiel aber auch mehr Spaß als wenn es für die Arbeit ist – ist nunmal so. Momentan spiele ich selber fast ausschliesslich Grafik-Adventures am PC und DS sowie Japano-RPGs an der PSP.

Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
Seid euch sicher, warum ihr als Spieleredakteur arbeiten wollt. Ihr verdient damit kein gutes Geld, die Arbeitszeiten gehen auf keine Kuhhaut und der Spaß am Hobby “Gaming” könnte auch schnell flöten gehen. Wer keine Passion für das Umsetzen der eigenen Ideen hat, sei es in Text, Video oder von mir aus auch gesungener Form, der wird schnell ernüchtert sein. Oder muss als Ghandi ins Fernsehen, weil man der einzige ist der ’ne Glatze hat … seufz. :)

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Name:
Daniel Budiman begin_of_the_skype_highlighting     end_of_the_skype_highlighting begin_of_the_skype_highlighting     end_of_the_skype_highlighting

Ehemalige Position(en) in Spieleredaktionen:
Praktikant, Volontär, Netzreporter, Freiberufl. Redakteur, Gebückt, Stehend, Anlehnend, Hinten in der Ecke, Zwischen Pappe, Spraydosen und anderen komischen Dingen wie Kollegen.

Wie bist du in die Branche gekommen?
Keine Ahnung. bzw. doch, aber ich habe keine Ahnung wie man das gescheit erklären kann. Ich hab viel Vereinssport betrieben mit vielen Punktspielen. Dann kam “Counter-Strike”. Und “Starcraft”. Und auch “DSA”. Zwischenzeitlich hatten zwei Bekannte von mir an Internetseiten rumgebastelt und die Seite partysnacks.de entworfen, auf der wir Artikel zu Chipssorten, Schokoriegeln und anderen Snacks geschrieben haben. Beziehungsweise wollten, aber nicht taten, weil wir zu sehr mit Essen beschäftigt waren. Aber immerhin hatten wir Kriterien und gewisse Kategorien. Zum Beispiel den Crunsh-, bzw. Sudfaktor. Dann: Mehr gespielt, mehr Snacks gegessen und irgendwann angefangen mehr über die Spiele als über die Snacks nachzudenken. Über einen Kollegen bin ich dann zu einer anderen Seite gekommen, auf der ich einen “Anno 1602”-Test schreiben durfte. Dafür gab es das Spiel umsonst. Danach: Zivildienst, “Diablo 2”, Lan-Parties und Clanwars, dann durch Glück ein Praktikum bei NBC GIGA bekommen und sehr schlimme Menschen kennengelernt. Dort habe ich dann ein redaktionelles Volontariat absolviert und währenddessen Eddy, Simon, Nils, Pepper, Wolf, Chris und extrem viele andere Kollegen hassen und lieben gelernt. Im Anschluss Simon, Hamburg, GameOne.

Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Das kommt zum Glück auf die jeweiligen Redaktionen an. Wir brauchen nicht darüber zu schnacken, dass die Gamesentwicklung nicht mehr mit Fackeln und Heugabeln durch die Stadt getrieben werden muss, und dass es inzwischen im Prinzip für jeden Geschmack und für jeden Typen diverse Games und Themen gibt. Ich bin froh, dass es so viele unterschiedliche Redaktionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Ausrichtungen gibt, dass so viele Interessierte und so viele Nerds ihre eigenen Stile haben und somit das Thema wirklich vorantreiben können. Aber natürlich sind die Basics wie Rechtschreibung, Fachwissen und Wahnsinn wichtig – allerdings wesentlich weniger wichtig als ein ausgeprägter Spieltrieb, den Hang zum Detail und ein dickes Fell. Schließlich motzen Gamer so gerne. Achso und Geld. Geld ist wahrscheinlich die wichtigste Fähigkeit. Von Allen.

Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Wenn die Öffentlich Rechtlichen irgendwann mal eine Spieleredaktion haben sollten, ja. Ohne Hochschul-Gelöt würde da wahrscheinlich wenig zu machen sein. Ansonsten, nein. Ein Studium ist nicht zwingend nötig, und erleichtert auch nicht unbedingt einen Einstieg. Es sei denn es geht um renommierte Magazine aus guten, großen Verlagshäusern, die nur wenige Stellen anbieten und aus Tausenden Bewerbungen auswählen müssen. Da kommt ein “SC2”-Jurist wahrscheinlich besser an. Der kann dann direkt über “Starcraft” schreiben und gleichzeitig irgendwen verklagen. Apropos: Bist du zufällig Jurist?

Wie hat sich die Branche seit deinem Einstieg verändert?
Zuerst gab es nur so analoge Spiele. Dann wenige digitale. Dann immer mehr. Sie wurden dabei auch immer bunter, multidimensionaler, emotionaler und teurer. Wann es genau geknallt hat, wissen wahrscheinlich nur Studenten. Aber irgendwann hat es mächtig Bumms gemacht, eine Menge Pioniere/Spielkinder haben eine neues, eigenes Medium aufgebaut, mehr und mehr Leute sind dazu gestoßen und mehr und mehr Facetten/Games sind aufgetaucht. Anders als noch vor wenigen Jahren ist unser Thema ganz klar in der Gesellschaft angekommen. Mit Allem, was man mit dem Thema verbinden kann. Mit Geld zum Beispiel. Natürlich. Angeblich passiert im Moment das Gleiche mit der Spielebranche, was auch schon mit der Musikbranche/Musikindustrie passierte. Ein kreatives Medium wurde erkannt, populär und nun wollen alle mitmachen. Je mehr Leute Spiele gut finden, desto größer ist auch das Angebot. Je besser das Angebot, desto mehr Geld lässt sich machen. Je mehr Geld man damit machen kann, desto mehr Menschen versuchen selbst in der Branche mit einzusteigen. Egal als was. Dann Rock’n’Roll! Und dann Modern Talking. Aus Plug’n’Play wird somit eher Plug’n’Pay, allgemein soll mehr Geld aus großen Spiel-Produktionen für noch größere Produktionen, und mehr Reaktionen aus mehr Redaktionen verdient werden. Im Prinzip ist das überhaupt nichts Verwerfliches. Nur macht diese starke, industrielle Entwicklung fast schon zu große Schritte. Aber naja, es hat halt irgendwann mal mächtig Bumms gemacht. Und seit dem Urknall der Spielebranche hat sich nahezu alles verändert. Bis auf diesen einen, simplen, naiven Fakt: Die (Weiter-)Entwicklung von Games und der Spielebranche ist nicht aufhaltbar. Auch nicht durch einen Dieter Bohlen. Also … Naja, so ähnlich.

Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Es wird speziellere und individuellere Magazine mit stärkerem subjektivem Bezug geben. Reine Nachrichten über Neuerscheinungen sind ja schon jetzt nahezu Randerscheinungen. Das Ganze wird dann schön multimedial sowohl im Print-, Web-, und hoffentlich auch mehr und variantenreicher im TV-Bereich bearbeitet. Im Printbereich gibt es schon jetzt viele gute neue Ansätze, allerdings bewegen die sich leider nicht zu krasser Musik und schnellen Schnitten. Im Web kann man so schön Trailer und Videos veröffentlichen. Ein Printmagazin dagegen sollte sich meiner Meinung nach auf sein Medium konzentrieren und intensive Reportagen, gute Interviews und tiefergehende Geschichten mit hochauflösenden Bilder präsentieren. So etwas zu konsumieren, brauch einfach seine Zeit. Und keine hektischen Bilder. Was definitiv häufiger vorkommen wird, sind Veröffentlichungen eigener kreativer Video-, Text- und/oder Audio-Kompositionen kreativer Köpfe, die jegliche Medien einfach wild zusammenmixen. Ein kleines Beispiel: Linkin Park und ihr öffentlich zur Schau gestelltes Musikvideo zu Medal of Honor. Und als ein wesentlich besseres Beispiel bei gleichen Bedingungen: Die 3Typen und ihre Antwort Metal of H0n0r. Anhand dieser beiden Musikvideos erkennt man gewisse Tendenzen, die sowohl gut als auch schlecht sein können. Die gute Variante: Verschiedene Nerd-Disziplinen werden kombiniert, Musik wird frei kreativ zu Games und deren Stimmung interpretiert, komponiert, umgesetzt, zu passenden Ingame-Szenen geschnitten und veröffentlicht. Im Vergleich dazu steht die negative Variante: Eine großer Bandname wird eher für Promo-Zwecke genutzt, ohne ein wirklich in sich stimmiges Endprodukt, wie in diesem Fall ein Musikvideo, zu veröffentlichen. 3Typen > Linkin Park. Dabei fand ich Linkin Park eigentlich doch ganz nett … Naja, ich schweife ab.

Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
“Oder verkommt es zur Arbeit” … Wenn man sich das Ganze hier mal genau überlegt, ist es doch ganz schön wirr. Ich meine, wir sind in diesem vierten Teil aus der Reihe “Wie werde ich Spieleredakteur” allesamt Mitarbeiter einer Sendung, auf deren Seite ihr Euch gerade befindet. Demnach könnten wir natürlich durchgängig krasse Eigenwerbung machen. Oder wahllos eigene Kollegen beschimpfen. @Chris: Son Scheiß Beitrag alter. @Simon: (o)(o) @Uke: Humpey! Wir könnten aber auch den Ganzen Krams und Klimmbumms einfach mal so gut es geht ausblenden – oder es zumindest versuchen – und einfach mal auf die doofen Fragen vom Chris antworten. Demnach würde ich sagen: Spielen ist derbe zur Arbeit verkommen. Aber es macht mir immer noch derben Spaß. Und es gibt auch oft Phasen, wo ich einfach mal abschalten muss und gar kein Bock auf technisches Gelöt habe. Dann wird halt mal was anderes gespielt. Starcraft 2 zum Beispiel. Oder Ehemann.

Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
Kopp anmachen, Augen aufhalten, weniger einzelne Spiele perfide (technisch) durchtesten, sondern viel mehr darüber nachdenken, was ein bestimmtes Spiel eigentlich mit einem selbst anstellt. Und informiert Euch. Über Alles. Auch über Geld. Sonst endet ihr wie der Großteil unserer Redaktion.

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Name:
Hauke Gerdes

Ehemalige Positionen in Spieleredaktionen:
Praktikant in der GameOne-TV-Redaktion

Wie bist du in die Branche gekommen?
Privat hatte ich mich schon länger mit Games auseinandergesetzt und bei kleineren Projekten mitgearbeitet. Gegen Ende sprang dabei sogar etwas Geld heraus, aber zum Studienbeginn war damit leider Schluss. Vor etwa einem Jahr habe ich mich dann gegen mein laufendes Studium und für ein Praktikum in der Videospiel-Branche entschieden. Nach kurzen Überlegungen wo es hingehen soll, bastelte ich eine Bewerbung zusammen und schickte sie in Richtung GameOne-Redaktion los. Ich hatte Glück. Nach einigen Tagen klingelte mein Handy und ich wurde eingeladen. Nach einem kurzen aber natürlich knackigen Bewerbungsgespräch wurde mir klar gemacht, dass ich evtl. ganz nützlich sein könnte und ich durfte für vier Monate mitmischen. Das Praktikum ging dann zu Ende und ich hatte mich scheinbar nicht total dumm angestellt, denn ich bekam das Angebot als Redakteur bei GameOne zu arbeiten. Ich nahm an … und hier bin ich jetzt.

Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Das hängt unter anderem davon ab, in welche Richtung es gehen soll. Ich arbeite hauptsächlich im TV-Team und erstelle Beiträge. Dabei ist eine super Schreibe nicht zwingend erforderlich, aber sie kommt einem sehr zu Gute. Das merke ich nur zu oft, wenn ich meine eigenen, teils nicht ganz perfekten, Texte in die Vertonung geben muss. Kurz gesagt: Man muss nicht alles können, aber es wäre super, wenn man von vielen etwas kann. Grundwissen über Games, eine gute Schreibe und natürlich eine gute Portion Kreativität. Das Alles mit einer gehörigen Portion Wissenshunger kombiniert und schon steht einem eigentlich nichts mehr im Wege.

Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Ich habe bisher nur ein völlig fachfremdes Studium angefangen, mit dem bereits nach einem Semester Schluss war. Trotzdem möchte ich noch studieren. Nicht etwa weil ich denke, dass man sonst nichts werden kann, sondern viel mehr weil ich darin eine große Chance sehe. Natürlich macht die Arbeit eine Menge Spaß, ich will mich aber trotzdem weiter bilden. Das soll an Unis ja ganz gut gehen sagt man sich. Wenn man studiert hat ist es also immer besser denke ich. Zwingend notwendig aber auf keinen Fall.

Wie hat sich die Branche seit deinem Einstieg verändert?
Beruflich bin ich noch nicht lange dabei. Wenn ich die jetzige Situation aber mit jener Vergleiche, als ich begann mich privat intensiver mit Games zu beschäftigen, fällt mir vor allem auf, dass Videospiele und alles was damit in Verbindung steht, immer ernster genommen werden. Es wird härter kritisiert aber eben auch härter an Verbesserungen gefeilt. Die Meinung von Kunden und Öffentlichkeit spielt eine größere Rolle als je zuvor. Daraus resultieren natürlich positive und auch negative Folgen.

Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Natürlich greife ich regelmäßig und gern zu Spielemagazinen und bin nicht immun gegen den Charme gut geschriebener, mehrseitiger Artikel in gedrucker Form. Ich muss aber gestehen, dass das weniger geworden ist. Ich finde im Internet eben schneller meine Infos und habe auch gleich noch ein Feedback anderer User. In Verbindung mit der Möglichkeit mich genau in den Themenbereichen zu informieren die ich am interessantesten finde, ergibt das eine unschlagbare Mischung.

Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
Und ob es mir noch Spaß macht. Durch den Job habe ich aber leider weniger Zeit zum Zocken. Was aber auch seine guten Seiten hat. Dadurch habe ich ganz neue Spiele für mich entdeckt. Anstatt mir stundenlang Kugeln und Klingen um die Ohren zu hauen, setze ich mich in Ruhe mit dem Handheld hin. Es geht mir jetzt vielmehr um verträumte Welten und nette Settings als um maximal bombastisch inszenierte Action.

Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
Praktika. Nur durch die erhaltet Ihr einen Eindruck davon, was es wirklich heißt Spieleredakteur zu sein und findet heraus, ob das etwas für Euch ist. Bewerbt Euch, gebt Euch Mühe dabei und setzt Euch mit Dingen auseinander von denen Ihr bis dato keinen Schimmer hattet. Wann wenn nicht jetzt habt Ihr schon die Zeit den Umgang mit Photoshop und Co. zu lernen? Wenn Ihr dann in die Branche wollt, könnt Ihr immer noch studieren und wisst auch gleich, ob die angezielte Karriere etwas für Euch ist.

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Name:
Uke Bosse

Derzeitige Position:
Medienhure

Wie bist du in die Branche gekommen?
Bin in die Branche gekommen, weil es niemanden sonst gab, der sowohl TV als auch Games konnte. Ich arbeitete in der Vergangenheit sowohl für Fernsehen, Werbung und Film, als auch für Spielefirmen, wie Eidos, SEK und Keyfactor. Über Spiele schreiben kann jeder. Das ist nicht die Kunst, sondern im Gegenteil – das allereinfachste der Welt. “Das Spiel hatte eine gute Grafik und ich hatte Spaß”. Gut und interessant über Spiele berichten – da wirds dann schon schwieriger … Hiermit verweise ich auf das New Games Journalism Manifest von Kieron Gillen.

Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Leidenschaft. Gesunder Menschenverstand. Intelligenz. Allgemeinbildung, Nicht jeder, der ein Spiel spielen und seinen Kumpels davon erzählen kann, ist automatisch ein guter Spielejournalist. Siehe oben.

Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Studium, Schmudium.

Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Online ist einfach schneller. Aber ich will ja auch ein bisschen mehr haben, als einfach nur Meldungen wie “Ubisoft hat einen neuen Trailer von Assasins Creed 8 veröffentlicht.” Dafür zahl ich auch gerne den Preis eines Magazins.

Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
Spielen verkommt wie bei allen Dingen, die man professionell macht, zur Arbeit und man guckt da ganz anders drauf. Frag mal einen Taxifahrer in London, ob der noch Respekt vor Menschenleben hat. Die Kunst ist, sich die Freude zu bewahren.

Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
An sich selber und den eigenen Fähigkeiten arbeiten. Versuchen, die Messlatte zu erhöhen. Nicht Spieleredakteur werden wollen, weil “Geil, dann kann man ja den ganzen Tag spielen”. Es gibt gewisse journalistische und handwerkschaftliche Standards, die beherrscht werden wollen.

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Name:
Nils “The Barbarian” Bomhoff

Ehemalige Positionen in Spieleredaktionen:
GIGA Games.

Wie bist du in die Branche gekommen?
Alles begann vor vielen tausend Jahren. Dann ging es ganz schnell. Bewerbung bei GIGA. Casting. Schwupps war ich drin.

Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Je mehr Ahnung man von Games hat, desto besser. Es ist immer gut, wenn man Querverweise zu Spielen herstellen kann, weil man sie kennt. Rechtschreibung, Sprachgefühl und das alles ist dann Handwerkszeug. Je besser ein Bildhauer hauen kann, desto schöner werden seine Skulputuren. So ist das auch mit dem Schreiben.

Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Ich kenne viele Leute die gar kein oder nur ein abgebrochenes Studium haben. Es ist also kein Zwang. Hilft aber sicher irgendwo unterzukommen. Im Zweifel würde ich lieber jemanden als Kollegen haben, der Leidenschaft mitbringt, sich auskennt und gerne schreibt. Dazu schneiden kann und Off-Texte sprechen. Vielleicht auch gerne vor der Kamera arbeitet. Als jemanden der von all dem weniger hat, dafür aber ein abgeschlossenes Studium.

Wie hat sich die Branche seit deinem Einstieg verändert?
Vieles passiert jetzt online. Print hat an Boden verloren, ist aber immer noch wichtig. Video hat an Bedeutung gewonnen. Es ist für viele Leute bequemer sich ein paar Minuten ein Video anzuschauen, mit bewegten Bildern des Spiels und gesprochenen Informationen, als einen drei-Seiten-Artikel zu lesen.

Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Man kann sich heutzutage im Internet schnell und auf vielen verschiedenen Wegen informieren. Da wird Print nie mithalten können. Dafür hat Print andere Vorzüge. Meinen Laptop nehme ich zum Beispiel nicht mit auf Klo. Exklusive Inhalte können auch ein Weg sein, sich abzugrenzen und interessant zu machen. Die GEE hat eine Nische besetzt, mit ihrer Art Games als Kultur zu verstehen und ihren interessanten Hintergrundberichten. Ich denke Videobeiträge sind in der Zukunft noch stärker gefragt. Und damit eben auch eine andere Expertise. Der Umgang mit Schnittprogrammen und Einspielgeräten. Kurzweilige Aufbereitung der Themen, ohne dabei die Tiefe zu verlieren. Das ist für die Zukunft wichtig.

Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
Spielen macht noch Spaß. Es gibt aber einen Unterschied, ob ich zur persönlichen Zerstreuung zocke oder ob am Ende ein Ergebnis in Form eines Beitrages dabei heraus kommen muss. Letzteres ist natürlich dann Arbeit. Aber die Lust am Spielen hab ich nie verloren.

Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
Das was jeder sagt: einfach machen. Einen Blog gründen, Videos schneiden und auf Youtube hochladen. Sich ausprobieren. Erfahrungen sammeln. Und nebenbei immer versuchen irgendwo unterzukommen. Praktika machen. Und kochen lernen. Sonst ernährt man sich nur noch von Fastfood.

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Name:
Wolf Speer

Ehemalige Positionen in Spieleredaktionen:
Praktikant, Volontär, Redakteur der Herzen, Sex Toy.

Wie bist du in die Branche gekommen?
Ganz klassisch: Vor schätzungsweise tausend Jahren per Dreamcast-Texteingabe als Praktikant bei GIGA Games beworben und ein halbes Jahr zwischen Münster und Düsseldorf gependelt. Mein eiserner Willen und dieser gewisse Hang zum Irrsinn haben sich dann ausbezahlt: Ich wurde ganz offiziell Volontär und hab ganz viel von ganz tollen Menschen gelernt. Mittlerweile besteht mein halber Freundeskreis aus Typen „aus der Branche“. Ich komm aus der Nummer nicht mehr raus. Will ich auch gar nicht.

Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Als Rechtschreib-Tyrann halte ich eine einigermaßen korrekte Orthographie für den Grundpfeiler einer jeden ernst zu nehmenden Redaktion. Leider haben immer weniger Redaktionen (gerade online) noch ein Lektorat, und das merkt man. Klar muss man auch spielen können, aber wichtiger ist es, Sachverhalte verständlich, flott und unterhaltsam rüberzubringen. Nicht der Gamerscore. Niemand muss jedes Spiel des Planeten gezockt haben. Nicht mal wir hier in der krassesten Redaktion of the world spielen alles. Wer das behauptet, lügt. Allerdings sollte man schon ein wenig Ahnung von der Geschichte unseres Lieblingshobbys haben und Produkte sowie aktuelle Entwicklungen einordnen können. Oh, aber vielleicht noch wichtiger: Ahnung von Bildbearbeitung und/oder Videoschnitt haben. Wer selber Artikelbilder basteln oder Videos schneiden kann und DANN noch so sympathisch bescheiden ist wie wir, hat schon fast gewonnen. Also fassen wir pädagogisch wertvoll zusammen: Spielen können, Rechtschreibung beherrschen und als Bonus evtl. noch Bildbearbeitung sind die Schlüssel zum Erfolg! Haha, just kidding. Weiblich, blond und ohne Selbstachtung? Bewerbungen an [email protected]

Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Hm, kann ich kaum beurteilen, weil ich in meinem Leben noch keinen Tag studiert habe. Ein sinnvolles Studium wird ganz sicher nicht schaden; auch für den späteren Lebensweg, der ja durchaus in eine andere Richtung zeigen kann. Aber eine Grundvoraussetzung ist ein Studium, zumindest in der Games-Branche, nur in den seltensten Fällen. Außerdem pennen Studenten doch alle bis mittags, sind jedes Wochenende voll wie drei Russen und an einen geregelten Tagesablauf kaum heranzuführen, das weiß ich doch genau!

Wie hat sich die Branche seit deinem Einstieg verändert?
Ich habe viele Redaktionen aufsteigen und fallen gesehen. Gaming hat den Mainstream erobert, was einerseits natürlich toll ist, aber den Markt auch sehr gesättigt hat. Es vergeht wohl kein Tag, an dem nicht ein neues Fanprojekt irgendwo online geht. In diesem Überangebot ist es manchmal nicht ganz einfach, die besten Magazine und Seiten zu finden (Tipp). Oh, und die Branche ist geiziger geworden. Definitiv. Microsoft mietet zur E3 vielleicht mal spontan den nordamerikanischen Kontinent an und verschenkt Xboxen, aber generell sitzt das Geld nicht mehr so locker. Das ist ärgerlich für alteingesessene Redakteure, die nicht mehr mit Merchandise zugeschissen werden; aber grauenvoll entmutigend für Berufsanfänger, die mit lächerlich niedrigen Pauschalpreisen für ihre Arbeit regelrecht verarscht werden. Das Klima ist rauer geworden.

Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Die 1-Million-Euro-Frage. Vorweg: Ich habe mit dem Zocken angefangen, da war ich noch keine 10 Jahre alt. Ich bin in den 90ern groß geworden, als die Video Games und die Man!ac zur Standardausrüstung gehörten. Gaming-Magazine haben mich hierhin gebracht und ich habe immer einen besonderen Platz im Herzen für alles Gedruckte gehabt. Deswegen spricht aus mir keine Verbitterung, wenn ich sage, dass die Zeit der Printmagazine gekommen ist. Ich lese keine mehr, nicht mal mehr auf dem Klo. Alles, was ich an Infos und Unterhaltung brauche, finde ich in Sekundenschnelle im Netz, da kann keine noch so starke Printredaktion längerfristig mithalten. Wer ein bisschen sucht, bekommt auch online knallhart recherchierte, ausführliche Berichte und Reportagen – dass man sowas nur am Kiosk findet, ist schlichtweg nicht wahr, auch wenn das Print-Kollegen immer wieder behaupten. Ich liebe die Aktualität, die Interaktivität und manchmal auch den nerdigen Wahnsinn, den mir das Netz bietet. Sorry, Magazine, es war ein schöner Weg zusammen, doch nun müssen wir uns trennen. Aber ob online oder Print: Die wirklich entscheidende Frage ist doch, wann Prozentwertungen abgeschafft werden. Prozentwertungen beschädigen diese Kunstform mehr als jeder bayrische Jugendschützer. Prozentwertungen müssen sterben.

Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
Jetzt momentan habe ich unglaublich viel Spaß am Zocken. Gestern habe ich noch Zombies auf dem Kettensägen-Motorrad gejagt, heute schwinge ich mich als Affenmann grazil von einer Liane zur nächsten und morgen bin ich vielleicht ein japanisches Schulmädchen und bekämpfe lesbische Nazi-Nutten vom Mars oder so. Dadurch, dass ich mir die Themen für unseren Blog relativ frei aussuchen kann, muss ich nicht mehr jeden Scheiß spielen. Den geb ich dann an unsere Praktis weiter. Ganz früher war das anders: Als Redakteur bei CyPress hatte ich diese Freiheit nicht. Da wurde gespielt, was auf den Tisch kam. Noch heute erinnere ich mich mit einem Schmunzeln an Kracher wie „Fantastic 4“ zurück, das mich und meinen Kollegen Andrè (dat alte Schwein) fast umgebracht hätte vor Langeweile. Manchmal ist das Zocken auch Arbeit, klar. Aber meistens liebe ich meine Arbeit.

Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
1. Lesen, lesen, lesen. Nicht nur Spielemagazine und Games-Seiten, sondern alles. So viel lesen, wie geht. Wer keine Zeit zum Lesen hat, hat auch keine Zeit, gut schreiben zu lernen. 2. Ahnung von Spielen haben (D’oh!) und auch ein bisschen von Technik. Wo gehört welches Kabel hin und was brummt hier so? Wenn ihr sowas wisst, seid ihr sehr schnell unersetzbar. 3. Sich nicht verarschen lassen. Redaktionen wissen nur zu gut, wie dringend ihr einen Fuß in die Tür bekommen wollt – und nutzen das schamlos aus. Spiele zu testen und gute Texte zu schreiben, ist viel Arbeit. Lasst euch diese Arbeit bezahlen. Mit Dumping-Preisen macht ihr den Markt kaputt und, noch schlimmer, euch selbst. 4. Habt eine hohe Toleranz gegenüber Kollegen mit schlechtem Musikgeschmack, Bringdienst-Pizza und Überstunden. Und Dreck. Und geklauten Kopfhörern. Und Energy-Drinks. Und Groupies, die um körperliche Liebe betteln. Kurz gesagt: Gebt euer Niveau, euren Anstand und eure Vorstellung von einem gutbürgerlichen Arbeitsleben an der Tür ab. Dann habt ihr unter Umständen die geilste Zeit eures Lebens.

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Name:
Etienne Gardé

Wie bist du in die Branche gekommen?
Mit dem Auto. Also wirklich. Mit dem Auto zum GIGA Games Casting. 14 Tage später ging’s los. Herzlichen Glückwunsch, sie sind jetzt Berufs-Nerd.

Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Das kommt ganz auf die Spieleredaktion an. Arbeitet man für eine Redaktion, bei der Tests und ausführliche Previews im Vordergrund stehen, ist das Fachwissen sicherlich wichtiger als die Personality dahinter. Bei anderen liegt der Schwerpunkt mehr auf einer lockeren, authentischen Schreibe oder Kolumnen und persönlichen Meinungen. Generell sollte man aber natürlich eine gewisse Basis an Gaming-Wissen haben. Wer bei “Halo” als erstes an nen J.Lo Song denkt, ist vielleicht in einer Spieleredaktion nicht richtig aufgehoben. Eine gute Rechtschreibung wird eigentlich bei jedem redaktionellen Beruf vorrausgesetzt. Wichtiger finde ich aber, dass man selbstständig arbeiten, eigene Ideen entwickeln und kreativ denken kann. Leidenschaft. Nicht nur Bock auf’s Zocken zu haben, sondern auch Lust darauf haben anderen diese Leidenschaft greifbar zu machen.

Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Da die meisten in der Branche nicht klassisch studiert haben, denke ich nicht, dass das ein wichtiges Kriterium ist. Wichtiger ist da eher, dass man schon Berufserfahrung hat, dass man schon was in der Richtung vorzuweisen hat. Das Geschäft ist schnelllebig, Zeit ist Geld. Es werden in der Regel Leute gesucht, die “funktionieren”. Jemand der ein Germanistik-Studium abgeschlossen hat, aber noch nie in einer Redaktion gearbeitet hat, die Trends nicht kennt oder kein Plan von Internet-Recherche hat, bringt einen auch nicht weiter. Wenn man aber ein Studium zusätzlich zu den oben angesprochenen Voraussetzungen mitbringt, dann wird das sicherlich nicht schaden. Zumal man vielleicht ja doch noch Lust bekommt in “seriösere” journalistische Gefilde abzutauchen und nicht alle Redaktionen sind so nachlässig was akademische Ausbildungen angeht, wie in der Spielebranche. Ich persönlich stehe auf Leute, denen ich anmerke, dass sie “echt” sind. Gerade in der (deutschen) Gamesbranche gibt es zu viele Leute, die sich selbst zu ernst nehmen und aus einem eigentlich spaßigen Thema wie Videospielen eine vermeintliche Wissenschaft machen.

Wie hat sich die Branche seit deinem Einstieg verändert?
Offensichtlich hat sich durch das Internet so ziemlich alles geändert. Von der Recherche der Themen bis zum Stellenwert von Webseiten und dem wachsenden Angebot von Video-Content. Es ist alles viel schneller, der Konsument ist viel besser informiert und hat zudem die Auswahl aus internationalen Anbietern für die Themen, die ihn interessieren. Auch der Stellenwert von Videospiel- und Nerd-Themen hat sich total gewandelt. Das gute ist, dass man jetzt sein eigenes Ding machen kann, ohne unbedingt auf große Verlage oder Geldgeber angewiesen zu sein. Egal ob Spoony, Zero Punctuation, Angry Videogame Nerd oder eben auch GameOne, durch die multimediale Verzahnung kann man kreativer sein und neue Wege der Videospiel-Berichterstattung ergründen.

Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Printmags werden nicht aussterben und das ist auch gut so. Ich mag nach wie vor das Gefühl durch eine Zeitschrift zu blättern, auch wenn ich die gleichen Infos online für lau bekommen könnte. Aber die Printmags müssen mehr Inhalt bieten, müssen sich neu erfinden. Bei den meisten deutschen Mags hab ich echt das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. Zum Beispiel was die “Schreibe” angeht, die meist befremdlich und distanziert oder “von oben herab” auf mich wirkt. Ich will Games-Berichte auf Augenhöhe und keine langweiligen Phrasendrescher von Games-Dozenten. Keiner kauft heute noch ne Gaming-Zeitschrift um News zu lesen oder weil er die Systemanforderungen eines Spiels wissen will. Ich brauche auch keine Bewertung in Form einer Skala von 1-100, die in Wahrheit eine Skala von 70 bis 90 ist. Sagt mir lieber warum das Euch gefallen hat. Und hört auf den Geldgebern in den Arsch zu kriechen. Die englische Ausgabe der Empire (ein Kinomagazin) ist da z.B. vorbildlich. Was die an Informationen, Gags, Insiderwissen und einfach gut recherchierten Themen, Interviews und Rezensionen bieten, ist wirklich sensationell. Dafür würde ich auch monatlich richtig was zahlen. Die Mehrheit an Themen wird aber mittlerweile online abgedeckt und wenn erstmal iPad und Co. sich als Standard durchgesetzt haben, wird wahrscheinlich auch der Printmarkt langsam aber sicher einem digitalen Pendant weichen. Ich mein, sind wir mal ehrlich. Wann habt Ihr zum letzten Mal in ein Lexikon geguckt? Eben …

Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
Kommt auf’s Spiel an. Generell zock ich weniger als früher, aber das kann auch mit dem Alter zusammenhängen. Oder dass mich die Spiele nicht mehr so faszinieren, was vielleicht auch an einer Übersättigung liegt, die beruflich in der Natur der Sache liegt. Aber es kommen immer wieder Spieleperlen raus, die mich nach wie vor in ihren Bann ziehen und auf die ich mich freue wie ein kleiner Junge. Aber es ist wie in der Schule. Wenn der Lehrer einem befohlen hat ein Buch zu lesen, hatte man gleich kein Bock mehr drauf. So ist es auch bei der Arbeit. Wenn jemand zu mir kommt und sagt: "Du musst ein 45 Min Video zu “Fallout 4” machen" wäre meine erste Reaktion wahrscheinlich “UARGH! ARBEIT ARBEIT ARBEIT!”.

Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
Lernt was gescheites!

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Name:
Christian Gürnth

Ehemalige Positionen in Redaktionen:
Praktikant, Grafiker- und Kolumnenschweinchen, Freier Mitarbeiter, Volontär, Redakteur, Vater von pcaction.de

Wie bist du in die Branche gekommen?
Mit sechs Jahren bekam ich meinen GameBoy. Damals das absolut Größte für mich und der Anfang einer großen Liebe; Videospiele. Der Liebe bin ich treu geblieben und durch meine Hauptschulzeit habe ich, fernab von jedem Klischee, viele Tricks und Kniffe im Umgang mit der deutschen Sprache gelernt. Irgendwann eröffnete sich mir das Internet und die Möglichkeit kostenlos Hirnschwund in die weiten der Welt zu ballern. Aus kurzen Meldungen für unbekannte und mittlerweile begrabene Webseiten wurden Previews, Reviews und Kolumnen. Kurz darauf ging es für ein Praktikum zu GIGA, wo ich die ganzen GameOne-Bratzen kennenlernte und nebenbei massig Erfahrungen sammeln konnte. Nach dem Praktikum blieb ich hartnäckig und arbeitete für sauer verdientes Geld bei einigen Internetmagazinen. Durch “Vitamin B” wurde ich bei PC ACTION als Volontär vorgeschlagen. Das Volontariat wurde nach einem kurzen Bewerbungsgespräch angeboten, angenommen und der Umzug nach Bayern fand statt. Darauf folgten einige der spannendsten Jahre meines Lebens inklusive Konzeption und Umsetzung meines Babys pcaction.de. Und dann ging es nach Hamburg. Nun sitze ich hier und beantworte von mir selbst gestellte Fragen. Irgendwie paradox.

Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Es ist das Zusammenspiel von Fachwissen und Rechtschreibung. Sozusagen ein kreatives Durcheinander. Quasi ein Gedanken-Eintopf mit einer extra Scheibe Wurst für die Mutti. Ich arbeite am liebsten mit Leuten, die Leidenschaft für Spiele empfinden. Wenn sie über ihr Lieblingsspiel reden, dann möchte ich das Feuer spüren, welches sie beim Zocken empfanden. Und wenn genau dieses Gefühl auch schriftlich vermittelt werden kann, dann hat man in Spieleredaktionen sehr gute Chancen. Ansonsten gilt: Im Büro ist das Spielen fast unmöglich, die meisten Games nimmt man sich mit nach Hause und “arbeitet” dort.

Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Einige der besten Schreiberlinge unserer Branche haben ihre Mama nach dem Putzen der Unibibliothek aus dem Intelektuellenviertel ihrer Stadt abgeholt, aber nie eine Uni von innen gesehen. Viele haben sogar nur einen Hauptschulabschluss. Ein Studium ist “nice to have”, aber definitiv kein Muss. Wir sollten uns vor Augen halten, dass wir hier keine schwierigen Bypass-Operationen durchführen. Wenn man seine Gedanken in eine gute Form packen und dazu ein wenig mit Video- und Audiobearbeitung umgehen kann, dann ist der halbe Drops bereits gelutscht.

Wie hat sich die Branche seit deinem Einstieg verändert?
Seit meinem Einstieg vor rund zehn Jahren (verdammt, ist das lange her!) hat sich extrem viel getan. Videospiele sind mittlerweile kein 16×16-Pixel großer Einheitsbrei mehr. In der Branche geht es um Millionen, auch wenn Innovation und Kreativität bei großen Publishern oftmals auf der Strecke bleiben. Spiele für Feinschmecker gibt es zum Großteil von kleinen Indie-Labels. Es ist eben alles in Richtung Film gerutscht. Die Großen werden größer und die kleinen versuchen sich über Wasser zu halten. Vor allem in klassischen Print-/Online-Redaktionen geht es immer mehr Richtung Effizienz und Effektivität. Wo vor rund fünf Jahren maximal jede Woche auf Google-Analytics-Werte geguckt wurde, wird Google Analytics nun mindestens zwei Mal täglich gecheckt und gegen aktuelle Klick-Trends gearbeitet. Der PI-Visit-Trend entwickelt sich rückläufig zwischen 13 und 16 Uhr? Ein absolutes No-Go, da zu dieser Uhrzeit die Kids aus der Schule kommen. Zack, eine “die zehn schäfsten Titten aus Spiel XY”-Galerie online gestellt. Wenn das nicht von alleine läuft, dann wird in vielen Online-Redaktionen im Ausland eigenmächtig dafür geworben. Amis springen immer auf Titten und Gewalt an. Einige Redaktionen besitzen sogar Praktikanten, die eigens dafür angestellt sind, die Artikel im Ausland zu verlinken. Das führt dann zu nicht organischem Wachsen und die Webseite fährt durch fiese Auslandsklickanteile Gewinne in der national wichtigen Messung namens IVW ein. Diese “selbstständig gezüchteten” Zahlen hingegen vermitteln Chefetagen falsche Eindrücke und Publishern falsche Werte von Webseitenbeliebtheit und schon wird nur noch auf diesen Webseiten geworben. Ein Teufelskreis und durch fast fünf Jahre Online-Only gäbe es alleine von meiner Seite aus Material für 95 Stunden Podcast. Ein letztes Wort noch zu dem Thema: Ich finde, dass viele Online-Redaktionen schlichtweg faul geworden sind und lieblosen “Hauptsache wir haben was online”-Content auf ihre Webseite stellen. Das Problem besteht aber nicht nur in Spieleredaktionen, selbst große Magazine berichten so über Politik und Wirtschaft.

Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Ich glaube schon, dass sowohl Print- als auch Online gemeinsam leben und voneinander profitieren können. Derzeit ist es allerdings eine Art Kannibalisierung. In Print lese ich noch zu häufig Previews zu Spielen, deren Inhalte komplett aus dem Internet zusammengesucht wurden. Diese Inhalte werden dann von Ahnungslosen erneut im Netz verbreitet. Und landen irgendwann wieder bei Print in Vorschauen. Ein Teufelskreis. Spieleredaktionen, die mit mehr als 15 Leuten gut aufgestellt sind, sollten ihre Energie in gute und beständige Formate mit Tiefgang stecken. Die Entwicklung muss und wird auch dahin gehen, dass Redaktionen auf Augenhöhe mit den eigenen Lesern sind. Es ist wichtig, dass ein Gespräch miteinander stattfindet und es nicht mehr nur beim einfachen Test bleibt. Redaktionen ohne Gesicht sind ersetzbar. Viele Artikel verkaufen sich über Redakteure und “deren Leser”. Als Beispiel nenne ich jetzt einfach Ahmet Iscidingsbums, dessen Artikel ich lese, weil ich weiß, dass seine und meine Spielevorlieben in etwa gleich sind. Wenn es ihm gefällt, dann ist die Chance groß, dass es auch mir gefällt. Und eine weitere Bitte; Prozentwertungen gehören abgeschafft.

Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
Ich habe den tollsten Job der Welt. Ich informiere Leute, erspare ihnen Ärger über rausgeschmissene Kohle und kann (wenn ich meine Arbeit wirklich gut mache) eventuell ein Lächeln auf ihre Gesichter zaubern. Und für all das werde ich noch bezahlt. Top!

Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
Lesen. Schreiben. Lesen. Schreiben. Lesen. Und lasst Eure Texte auf jeden Fall von Leuten auseinander nehmen, die sich mit der Materie auskennen. Zwei meiner “Wegweiser” waren George von GIGA und Harald von PC ACTION. Jedes Mal wenn ich von Harald in sein Büro zitiert wurde, zitterten meine Knie und in meinen Gedanken riss er mir bereits den Kopf vom Hals und stopfte meinen ausgedruckten und mit rotem Edding markierten Artikel rein. So schlimm wurde es nie, aber er gab mir immer wieder sehr hilfreiche Tipps und Tricks, um Formfehler zu vermeiden. Lernt aus Euren Fehlern und geht selbst kritisch mit Euren Texten um. Ein wichtiger Tipp, um vor dem Lektor (der, der die Texte gegenliest) nicht doof dazustehen: Namen und Marken auf offiziellen Webseiten oder bei Wikipedia nachschlagen. Immer. Sonst könnte es peinlich werden.

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