“Iron Man” war einer der besten Filme 2008. Und nebenbei hat er auch dem letzten Zweifler umissverständlich klar gemacht, dass Robert “Meine Karriere war schon so tot wie Infinity Ward” Downey jr. im ganz großen Stil zurück ist. Die logische Konsequenz: Internationales Kritikerlob und mehr als eine halbe Milliarde Dollar Umsatz an den Kinokassen. Nicht so düster wie “Dark Knight” und nicht mal annähernd so komplex wie “Watchmen”, bewies “Iron Man”, dass Comic-Verfilmungen durchaus locker-leicht sein können – ohne dabei das Publikum zu verblöden. Und das Ende war ohnehin schlichtweg brillant: Tony Stark, das unverschämt charismatische, selbstverliebte, arrogante Arschloch, ist einfach viel zu geltungssüchtig, als dass er seine Identität als Superheld länger geheim halten kann: “Okay, ich geb’s zu – ICH bin Iron Man.” Helle Aufregung, Tony grinst, Abspann. Meisterhaft.

Jetzt läuft also endlich das lang ersehnte Sequel in den Kinos an. Und was man von Fortsetzungen auch halten mag, aber “Iron Man 2” wird ja wohl mindestens so super wie der erste Teil, oder? Was soll da schon groß schief gehen? Nie im Leben würden die Macher nach so einem fulminanten Start in die Fortsetzungsfalle tappen, richtig? Spoiler-Alarm: Doch.

“Iron Man 2” ist kein schlechter Film, das halten wir direkt mal fest. Wer nach dieser ernüchternden Einleitung eine Komplett-Gurke wie “X-Men Origins: Wolverine” befürchtet, kann die Herzpillen vorsichtig wieder weg legen. Keine Panik. Aber leider macht “Iron Man 2” auch so vieles falsch, dass vom Charme und der Eigenständigkeit des Erstlings nicht mehr viel übrig bleibt. Die Probleme fangen schon bei der Story an. Worum geht’s denn nun in “Iron Man 2”? Tja … äh …

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Nehmt euch die nächsten Minuten nix vor, das könnte etwas länger dauern. Also: Tony Stark hat als fliegende Ein-Mann-Armee die Welt sicherer gemacht und nutzt nun seine Freizeit und seinen Reichtum dazu, die absurd gigantische Mega-Messe namens “Stark Expo” wiederzuleben, die sein verstorbener Vater (John Slattery aus der großartigen Serie “Mad Men”) einst gegründet hat. Starks schmieriger Rivale, der Waffenmagnat Justin Hammer (Sam Rockwell), möchte einen fetten Deal mit dem amerikanischen Militär abschließen und ist deswegen hinter der Technologie des Eisenanzugs her wie ihr hinter der nächsten Beef-Folge. Also lässt er den latent wahnsinnigen Russen Ivan Vanko (herrlich abgefuckt: Mickey Rourke) an einer ganz eigenen Version der Rüstung arbeiten. Vanko ist ohnehin ein bisschen angefressen auf Stark, weil Vankos Vater sich von Starks Vater verraten gefühlt hat. Jetzt ist der alte Vanko der tote Vanko, deswegen macht der junge Vanko mit ein paar coolen Elektropeitschen Rennwagen kaputt. Als hätte Tony Stark nicht schon genug um die Metall-Ohren, versagt der lebensrettende Elektrotransmitter in seiner Brust allmählich seinen Dienst und eine andere Energiequelle scheint es nicht zu geben. Viel Stress, findet Tony, also macht er seine Assistentin und heimliche Liebe Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) kurzerhand zur neuen Firmenchefin. Pepper ist glücklich, hat aber auch Angst vor so viel Verantwortung.

Halt, halt, meine Damen und Herren – es geht weiter, das wäre ja noch viel zu wenig Story für einen Zweistundenfilm! Während sich Pepper also auf dem Chefsessel fläzt, wirft Tony einen verlängerten Blick auf die heiße neue Kollegin aus der Rechtsabteilung (Scarlett Johansson), die er prompt zu seiner neuen Assistentin macht. In Wahrheit ist sie aber Black Widow, Mitglied einer ultrageheimen Geheimorganisation namens S.H.I.E.L.D.. Deren Leiter, Nick Fury (Samuel L. Jackson, diesmal mit etwas mehr Screentime), möchte Tony Stark gerne im Team haben. Was genau S.H.I.E.L.D. eigentlich will und warum unser Tony so wichtig ist, wird nie ganz klar, aber who cares – Scarlett Johansson ist dabei, und sie sieht aus, wie sie aussieht, da würde ich auch beitreten.

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Natürlich hat Nick Fury auch Tonys alten Herren kennen gelernt, “Mach deinen Vater stolz!” und so. Und weil schon Stark senior so ein Superhirn war, hat er mal eben ein neues Element entdeckt, die Aufzeichnungen darüber aber pfiffig getarnt, bis sein Sohn in der Lage sein würde, dieses Wissen zu nutzen. Danke, Dad! Ach ja, und außerdem wird Tonys alter Army-Kumpel James Rhodes (diesmal: Don Cheadle) zu seinem Sidekick mit eigenem Robo-Anzug. Um diesen perfekt zu beherrschen und damit eine ganze Armee durchgedrehter Killer-Mechas zu besiegen, braucht er genau kein Training. Ein echtes Naturtalent, dieser James Rhodes – kaum hat er sich in die Metallhaut gezwängt, fliegt, schießt und prügelt er mindestens so gut wie Tony Stark selber, der im ersten Film noch Wochen brauchte, die Technologie einigermaßen zu beherrschen. Wenn man darüber nachdenkt, scheint James Rhodes für den Job als Iron Man sogar besser geeignet zu sein als Tony himself, aber das gehört jetzt hier nicht hin.

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In “Iron Man 2” passiert viel zu viel viel zu schnell und viel zu chaotisch, das ist die unschöne Wahrheit. Bezog Teil 1 seine Genialität noch aus einem klar formulierten Konflikt (das Ringen mit der Technik, die sowohl Fluch wie auch Segen ist), weiß man nun gar nicht mehr so genau, worum es eigentlich geht. Und ob Tonys drohender Exitus wegen der Metallsplitter in seinem Körper nicht eigentlich viel spannender ist als durchgedrehte CGI-Robos. Und wer überhaupt der große Bösewicht sein soll. Jetzt ruft ihr vermutlich “Na, Mickey Rourke als Whiplash, du Eimer!”, aber leider wurde der Russenpeitscher vom so genannten Darth-Maul-Syndrom befallen: Er ist völlig verschenkt. Rourke zeigt sich schmuddelig wie selten und hat sich fleißig Fake-Tattoos auf den Körper pinseln lassen, aber auch ein Schauspiel-Gigant kommt nicht gegen ein schlampig geschriebenes Skript an, das mehr behauptet als erklärt. Klar, wir finden Whiplash instinktiv cool – und merken dabei gar nicht, dass er weder einen wirklichen Charakter noch eine nachvollziehbare Motivation für seine Taten hat. Und wirklich was reißen tut er im Prinzip auch nicht. Die Elektropeitschen sind aber trotzdem awesome.

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Und zum Letzten: Ich finde es regelrecht dreist, wie penentrant hier bereits “The Avengers” beworben wird. Mag ja sein, dass Comic-Geeks schon bei der Erwähnung des Namens Nick Fury feuchte Höschen bekommen, aber ich hätte schon gern gewusst, vor wem genau seine S.H.I.E.L.D.-Truppe die Welt beschützt und ob Scarlett Johansson noch einen anderen Job hat als sich im engen Lederanzug zu räkeln. “Iron Man 2” wirkt streckenweise wie die funkelnde und dröhnende Werbeplattform für einen Film, der noch nicht mal gedreht ist. Tony Stark, der fucking Iron Man, wird hier zum Anheizer für das nächste Comic-Großprojekt degradiert. Das hat er nicht verdient, das ist unbefriedigend und das tut diesem großartigen Charakter Unrecht.

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Fazit: „Iron Man 2“ fliegt in der ersten Klasse der Comic-Verfilmungen mit, leidet aber unter Fehlzündungen. Für einen krawalligen Kinoabend reicht’s immer noch locker und wirkliche Kardinalsfehler begeht der Blechkopf ja auch nicht. Aber trotzdem bleibt Ernüchterung und das Quengeln der Enttäuschung. Und ich seufze leise das ewige, unsterbliche Mantra der zu hohen Erwartungen:

Der erste Teil war geiler.


Iron Man 2 also. Eigentlich kann da ja nicht viel schief gehen, könnte man meinen. Jeder Film mit
Robert Downey Jr. in der Hauptrolle ist eigentlich schon auf der Siegerstraße. Auch der Vorgänger hat vor zwei Jahren ordentlich frischen Wind in die weichgespülte Welt der Superhelden-Filme gebracht. Glaubwürdige Charaktere in einem Marvel-Film, das hatte schon was. Dazu kamen eine ordentliche Prise Humor, ein top Bösewicht gespielt von Jeff Bridges und natürlich eine geballte Ladung Zynismus dank Downey Jr.

Auf diesem Fundament aufbauend, konnte Regisseur John Favreau (nächstes Jahr kommt seine Verfilmung des Comics Cowboys & Aliens in die Kinos) eigentlich nicht viel falsch machen. Und doch ist Iron Man 2 eine dezente Enttäuschung geworden, die mich allzu sehr an die Fehler eines “Spider-Man 3” erinnert, wenngleich gesagt sein muss, dass es so schlimm um den Eisemann dann doch nicht bestellt ist.

Bereits als die Credits zu Beginn des Films liefen und ein hochkarätiger Name auf den anderen folgte, stellte sich bei mir ein komisches Gefühl ein: “Da bin ich ja mal gespannt, wie die es schaffen die ganzen Leute in 120 Minuten unterzubringen”. Und genau daran krankte auch der Film. Alles war gequetscht, zu kurz oder zu beiläufig.
Wenn man einen Mickey Rourke als Bösewicht in einen Film einbaut, dann muss man ihm auch entsprechend “Screentime” geben. Und vor allem eine nachvollziehbare Motivation, warum er überhaupt im Film ist. Mickey Rourke war super, er sah “badass” wie immer aus, spielte seinen Teil als “Whiplash” hervorragend. Leider waren seine Auftritte arg begrenzt. Die meiste Zeit saß er in einem Zimmer und schraubte in bester McGyver-Manier an irgendwelchen Sachen herum. Es gab quasi nicht einen einzigen richtigen Dialog zwischen Rourke und Downey Jr. Nach dem Showdown dachte ich dann entsprechend auch “das war’s jetzt, oder was?!”, ich war richtig geschockt, dass das schon alles gewesen sein sollte. Das Potenzial war nämlich da. Mickey Rourke hätte ohne weiteres einen Heath Ledger abgeben können. Stattdessen wurde es ein Darth Maul.

Auch bei den anderen Charakteren ist es nicht besser. Da gibt es die wunderschöne Scarlett Johansson, alias Black Widow, die in der ersten Hälfte des Filmes im Prinzip nichts zu sagen hat und einfach nur schön anzuschauen ist; Und in der zweiten Hälfte mutiert sie zur eiskalten Kampfsau, die irgendein Ziel verfolgt, das sich mir als Zuschauer (und zugegeben Nicht-Kenner der Comic-Vorlagen) zu keinem Zeitpunkt erschlossen hat. Ihre Storyline wirkte völlig deplaziert und wie ein kleiner bedeutungsloser Zweig im Geäst, der einzig und allein klarmachen sollte, dass wir sie im “Avengers”-Film wiedersehen werden. Und dass sie ziemlich heiss in engen Kleidern aussieht…
Ihre Kampfszenen waren ebenso kurz, wie unspektakulär. Hit-Girl würde Black Widow ziemlich in den hübschen Hintern treten. Aber das nur nebenbei.

Ein perfektes Beispiel für die schwache Story und die blassen Charaktere, ist eine Szene in der es zu einer Auseinandersetzung zwischen Tony Stark und seinem Kumpel James Rhodes (gespielt von Don Cheadle, im ersten Teil war es noch Terrence Howard) kommt. Tony ist betrunken, feiert eine Party in seiner Luxus-Villa und ballert mit seinem Iron Man Anzug auf irgendwelche Gegenstände, die die Partymeute wahllos in die Luft werfen. Rhodes kann nicht fassen wie sich Stark hängen lässt und schnappt sich kurzerhand ebenfalls einen Iron Man Anzug aus dem Tony Stark Ersatzteillager. Es kommt zu einem kurzen Kampf zwischen den Beiden, ehe Rhodes samt Iron Man Anzug wegfliegt.
Während der gesamte Vorgänger davon handelt, wie Tony Stark zu Iron Man wird, wie er den Anzug erfindet und baut, wie er lernt damit zu fliegen und damit zu verschmelzen, kommt in Iron Man 2 einfach irgendein Typ, schnappt sich den Reserve-Anzug und ist jetzt auch ein Iron Man. Das ist ungefähr so, wie wenn jeder Batman sein könnte, der einfach nur das Cape von Bruce Wayne klaut. Ich fühlte mich ein wenig verarscht.
Zu keiner Zeit wird erklärt, warum James Rhodes überhaupt perfekt mit dem Anzug umgehen kann, warum er das überhaupt darf und wieso das eigentlich alles doch so einfach ist. Das geht alles so schnell und reibunglos von statten, dass man es irgendwie so hinnimmt, aber leider auch an der Glaubwürdigkeit des Iron Man Universums zweifelt.

Ohnehin wirkte der zweite Teil stellenweise mehr wie eine Komödie, denn wie ein Actionfilm. Im ersten Teil ging es noch um etwas. Man hatte das Gefühl es spitzt sich etwas zu, man sah die Gefahr am Horizont aufkommen und war dankbar, wenn ein paar Oneliner und zynische Sprüche von Tony Stark das Geschehen auflockerten.
Bei Iron Man 2 gibt es nichts aufzulockern. Es geht von Beginn an um eigentlich gar nichts. Es gibt keine wirkliche Bedrohung, keinen ernstzunehmenden Antagonisten. Es gibt wenig Action, von den letzten 15 Min. mal abgesehen und eigentlich zu keinem Zeitpunkt will so etwas wie Spannung aufkommen. Man hat auch nie das Gefühl, dass Tony Stark wirklich in Gefahr ist oder etwas schreckliches passieren könnte.
Gerade wenn man das mal mit dem hervorragenden “The Dark Knight” vergleicht, wird deutlich wie belanglos eigentlich der Plot von Iron Man 2 ist. Die ganze Zeit wartet man darauf, dass endlich etwas von Bedeutung passiert und dann ist der Film zuende.

Das klingt natürlich wie ein Verriss, allerdings war meine Erwartungshaltung an Iron Man 2 auch ziemlich hoch. Das alles gesagt, ist Iron Man 2 trotzdem ein unterhaltsames Popcorn-Filmchen. Die Effekte sind wie auch schon beim Vorgänger sensationell. Wenn Tony Stark zu Iron Man transformiert oder Whiplash mit seinen Elektro-Peitschen ganze Autos in der Mitte durchhaut, dann schnalzt man schon gerne mit der Zunge.
Besonders hervorzuheben ist auch der Auftritt von Sam Rockwell (“Moon”) als Justin Hammer. Mit sichtlich Spaß an der Sache ist es Rockwell gelungen, neben Robert Downey Jr. als einzigem im gesamten Film, seinen Charakter richtg mit Leben auszufüllen. Angesichts des schwachen Drehbuchs keine schlechte Leistung.

Unterm Strich bleibt leider “nur” ein weiterer unterhaltsamer aber leider belangloser Superhelden-Film, der zu keinem Zeitpunkt an die Klasse seine Vorgängers anknüpfen kann. Die Kinokassen werden trotzdem klingeln und tatsächlich gibt es auch schlechter angelegetes Kinogeld (siehe Clash of the Titans). Hätte sich der Film mehr auf eine kohärente Story konzentriert, anstatt ein Warmup-Vehikel für kommende Filme aus dem Hause Marvel zu sein, wäre hier deutlich mehr drin gewesen. Schade um das verschenkte Potenzial.

“Iron Man 2” startet in Deutschland am 6. Mai, den offiziellen Trailer seht ihr hier:

Diskutiert im Kommentarbereich – freut ihr euch auf “Iron Man 2”? Und sobald ihr ihn gesehen habt, wollen wir natürlich eure Meinungen, ne?